Wetten dass ? | 1992-1993

Bei „Wetten, dass..?“ mit Wolfgang Lippert traten sechs Kandidaten auf, die jeweils wetteten, dass sie eine besondere Fähigkeit beherrschen. Diese wird dann in der Show überprüft – und zuvor von prominenten Paten auf der Talk-Couch eingeschätzt . Sollte die Einschätzung der prominenten Gäste falsch sein, mussten diese eine Aufgabe erfüllen.

Die originellste oder spannendste Wette wählen die Zuschauer an den Bildschirmen per Televote. Der Sieger wird „Wettkönig“ und wird mit einer „Finanzspritze“ belohnt. Wolfgang Lippert stellte – im Gegensatz zu Thomas Gottschalk – mehr die Wettkandidaten in den Vordergrund. Außerdem wurde die regelmäßige Kinderwette eingeführt. „Lippi“ moderierte das deutsche TV-Schlachtschiff von der 76. (26.09.1992 aus Bremerhaven) bis zur 84. Ausgabe (27.11.1993 aus Rostock).

Lippert, die Erste
(aus dem Wetten, dass..?-Buch von Peter Untucht)

Viel wurde in der Presse über Wolfgang Lipperts Nervosität spekuliert, mit einem gewissen Erstaunen aber auch, wie wenig davon dann tatsächlich zu spüren war. Der Neue aus dem Osten hatte kein leichtes Erbe angetreten, denn die Messlatte lag hoch – aber er riss sie nicht.

Der Stil der Moderation änderte sich, nicht so flapsig wie Gottschalk, eher herzlicher nahm sich Lippert der Show und ihrer Gäste an. Obwohl er sich gelegentlich auch in bissigen Bemerkungen übte, die seinem Vorgänger zu aller Ehre gereicht hätten: Als der damalige Wirtschaftsminister Jürgen Möllemann († 2003) die Halle betrat (es gab einige Buhrufe) und dann ein wenig zu weit vorne stand, entfuhr es Lippert ganz freundlich: „Treten Sie doch bitte zurück, Herr Minister!“ Möllemann erwies sich durchaus nicht als Spielverderber: Spätestens beim Einlösen deiner Wettschuld, gewann er Sympathien zurück. Deutschlands junge Schwimmhoffnung Franziska van Almsik vom Wirtschaftsminister gebuckelt – das kam an. Schwerer zu tragen hatte da schon Action-Held Dolph Lundgren, dem Jürgen von der Lippe im Nacken saß.

Sportlich war auch die vierte Wette: mancher hatte schon mit der Toccata in d-Moll von Bach genug zu kämpfen, geschweige denn, dass er vorher noch das Piano schleppen müsste. Die Wetten eins und drei waren da von sanfterer Gang- und Tonart, Rösselsprünge unter den gegebenen Bedingungen sind allein auf dem Schachbrett kein Leichtes; und die Wettkönigin bewies eindrucksvoll, dass ihr garantiert niemand Falschgeld in die Hände drücken wird.

Kurzum: In Lipperts Erster war durchaus nicht der Wurm drin – für Würmer sorgten allenfalls die Jungs von der Waterkant…

Pressestimmen zur Premiere:

Neue Kronen Zeitung, 28.09.1992
Der Mann ist mir unheimlich! Denn entweder ist Wolfgang Lippert […] ein eiskalter Abstauber, Profi und Karrierist. Oder eine absolut unschuldig-glückhaft-geniale Symbiose seiner zwei Vorgänger. Denn Wolfgang Lippert hat Herz. Das hab ich gesehen, das kann er nicht spielen, das ist in ihm drinnen.

Die Welt, 28.09.1992
Ein Start, der nicht rundherum überzeugt. Aber war das nach Thomas Gottschalks erster Sendung, vor genau 5 Jahren anders? Damals wollte immerhin jeder zweite Zuschauer Frank Elstner wiederhaben.

Münchner Merkur, 28.09.1992
Dass verlorene Wetten gleich in der Sendung bezahlt werden mussten, sich die Prominenz also nicht irgendwann mit wohltätigen Auftritten schmücken durfte, kam der Show zugute […] Somit: Geglückte Neuinszinierung einer zuvor schon ziemlich abgespielten Samstagsunterhaltung.